Aktuelles (Schule)


Ein Gedicht, das keins ist – von einem Menschen, der sich schämt

Donnerstag, 2. Juli 2015 um 12:52 Uhr von erik

 

Nein, in dieser Welt will ich nicht leben.

In einer Welt, in der ein Konflikt den nächsten jagt.
Wo Religion gefordert, aber falsch ist
und eine Mutter mit Glaube um ihr zweijähriges Kind fürchtet,
weil jemand, den es nach Tod dürstet, das Blut der wehrlosen Gegner vergießt.
Und es dann auch noch als „gerecht“ abhakt.
Wo man mit vierzehn Jahren Angst vor dem Verlobten haben muss,
den man doch gar nicht wollte.
Den Papa einem aufgezwungen hat.
Und am Ende des Tages wegen eines falschen Blickes für den echten Schwarm hungrig ins Bett geht
und nicht satt.


Nein, in dieser Welt will ich nicht leben.
Nicht so. Niemals.
Nicht hier und jetzt.
Warum sollte ich auch hier leben wollen?
In einer Welt, in der ich falsch bin,
weil ich meine Freundin liebe und doch selbst weiblich bin.
Eine Welt, in der ich mich mit einer eingetragenen Partnerschaft als Symbol zufrieden geben muss,
weil ich gegen die „Regeln“ leben will.
Gegen den sogenannten Sinn.
Wo Gender Equality nur ein Wahlkampfspruch bleibt
und ich mich nur bedingt entfalten darf, während Mann und Frau sich öffentlich zeigen,
Aber du als Transsexueller dich selbst verleugnest.
Weil man dir schon wieder „Perversität“ vorwarf.
So geht das einfach nicht weiter.
Nicht so. Niemals. Nicht hier und jetzt.
Denn was ist eine Gesellschaft wert, die Menschen mit Narben verleugnet und als Emo abstempelt,
Anstatt sich zu fragen was passier ist?
Anstatt sich zu fragen, wer passiert ist.
Anstatt sich zu fragen, was einen Menschen ruiniert und all seine Kräfte rauben kann.
Anstatt ihm ein einziges Mal nur, ein Lächeln zu schenken
oder die Hand zu reichen,
weil er auch heute wieder ganz allein den Boden küssen darf.
Doch eine Wegschaugesellschaft wird sich nicht ändern.
Nicht so. Niemals. Nicht hier und jetzt.
Und doch wird es uns immer geben – jemanden der sich erhebt.
Mit viel Krach und Randalen werden wir es tun, weil es sonst einfach keiner versteht.
Aber am Ende werden sie meckern
– über die Jugend, die heute keiner mehr erzieht,
weil wir Kinder mit Protesten durch die Straßen ziehen, anstatt im Zimmer zu lernen,
Während wir es immer fort in den Straßen erklingen lassen
– unser Gerechtigkeit suchendes Lied.
Und am Ende der Demo den Frust an der Bar links liegen lassen müssen.
„Keine Manieren mehr“, werden sie sagen und dabei ganz vergessen, wer unsere Welt so an und
weitergegeben hat.
Doch was sollen wir tun? Ohne Taten ändert sich nichts.
Warum sollen Menschen einander nicht lieben, sondern hassen?
Und doch werden sie schimpfen.
Und dabei ganz vergessen, wer uns erzogen hat.
Ich möchte kein aus Demos bestehendes Leben,
sondern eine heile Welt.
Aber die wird es wohl niemals geben.
Nicht so. Niemals. Nicht hier und jetzt.
Und auch wenn ich irgendwann keine Lust mehr hab mich zu erheben, werde ich es tun.
Um eines Tages als altes Mädchen zufrieden und glücklich an einen anderen Platz zu gehen
Um dort ein für alle Mal zu ruhen.

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